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Donnerstag, 31. August 2017

Rezension: Fünf Minuten

Fünf Minuten

                                                            von Ian Cushing





=[ Harte Fakten ]=

- self published
- 6,99 Euro
- 96 Seiten


=[ Worum geht's denn eigentlich ]=

Es handelt sich hier um das Tagebuch eines Mörders.

=[ Meine Meinung ]=

Ian Cushing wollte für mich "eine positive Überraschung" sein und das war er eigentlich von Anfang an. Und das war er zugegebenermaßen von Anfang an. Der Kontakt war super nett und professionell und auch das Buch hat mich total überzeugt - und es handelt sich hier um sein Debüt.

Der Preis 6,99 Euro für ein Minibuch mit 96 Seiten scheint teuer, doch es handelt sich hier um ein self published Buch.

Trivialinformation: Tatsächlich habe ich im Zuge meines Abiturs für eine Arbeit mal ein Tagebuch eines Mörders geschrieben. Da es uns zu blöd war, das auf 20 DIN A 4 Seiten einzureichen...haben wir alles auf eine Karte gesetzt und ein Tagebuch gekauft, es mit Kaffee und Dreck auf alt getrimmt und dann den ganzen Text reingeschrieben. Je nach Gemütslage des Mörders zittrig, manchmal hastig... ja. Kam gut an und 15 Punkte waren mir sicher :B


Jedenfalls finde ich dieses Buch hier toll. Es liest sich gut, schnell und nachvollziehbar. Der namenlose Protagonist und Verfasser des Tagebuchs hat klare Ansichten vom Leben und hatte auch schonmal bessere Zeiten. Als seine Frau einen Herzinfarkt erleidet und seine Mutter wenig später verstirbt, ist er am Boden angelangt. 

Er beschreibt den Verlauf wie aus einem "normalen Menschen", einem liebenden Ehemann, Sohn, Neffen, ein Mörder wird. Stück für Stück, völlig ungewollt und ungeplant. Es passiert einfach. Und zeigt uns wieder einmal, dass es "Schwarz und Weiß" im echten Leben nicht gibt. Das wirft ein schwieriges Thema auf, das immer haufenweise Diskussionsstoff bietet. 



Simple ausgedrückt: Ein Mann, der mit der Axt seinen Vater erschlägt ist ein Mörder. Aber ein Mann der jahrelang von seinem Vater missbraucht und gedemütigt wurde, geschlagen und eingesperrt wurde, und ihn dann mit einer Axt erschlägt, ist immer noch ein Mörder. Aber ein verstandener. Jeder Mensch hat ein eigenes Rechtsempfinden, aber ein Mörder bleibt ein Mörder - laut Gesetz. 

Bei unserem Mörder hier verschwimmen die Grenzen. Der Leser sympathisiert, versteht und gibt ihm vielleicht innerlich ein bisschen recht, auch wenn es nicht "recht" ist. 

"Fünf Minuten" löst also im Kopf einen tollen Konflikt aus, über den man nachdenkt, seinen Standpunkt abwägen muss und sich vielleicht - so wie ich - mit jemandem darüber unterhalten muss. 

Ganz davon abgesehen, hat Ian Cushing einen tollen Schreibstil und ich würde mir wünschen, einen 300 Seiten langen Thriller von ihm zu lesen! Es hätte hier auch ruhig etwas mehr sein können! Etwas abgewandelt wäre es ein sicher noch besserer und längerer Thriller geworden.

Ein Kritikpunkt für mich: Das Cover. Das passt leider überhaupt nicht - was echt schade ist! Vielleicht hätte es einfach die Optik eines Tagebuchs haben sollen. Fänd ich interessanter. Also so hätte ich im Buchladen nicht nach dem Buch gegriffen, bin aber froh, dass ich jetzt lesen durfte!


=[ Fazit ]=

Ein toller Minithriller für einen verregneten Herbstabend!

=[ Wertung: ♥♥♥♥ 4 von 5 ]=

Dienstag, 13. Juni 2017

Rezension: Murder Park

Murder Park
                                     von Jonas Winner





=[ Harte Fakten ]=
  • Taschenbuch
  • Heyne Verlag
  • 416 Seiten
  • 12,99 Euro
  • ISBN 978-3453421769




=[ Um was geht’s denn eigentlich ? ]=


Paul Grenblatt hat neben 11 anderen Personen eine Einladung in den "Murder Park" erhalten - ein Vergnügungspark mit dem Thema Serienkiller. Dieser Park wird auf einer Insel eröffnen, die selbst einmal Tatort war. Auf "Zodiac Island" sind vor 20 Jahren drei Frauen brutal ermordet worden. Als es den ersten Todesfall gibt, beginnen die Verdächtigungen bei den inzwischen auf der Insel festsitzenden Parktestern. Und es soll nicht der einzige Todesfall bleiben... 





=[ Meine Meinung ]=

Hohe Erwartung – mega spannendes Setting – leider irgendwie auch nichts Rundes. Nach lesen des Klappentexts musste ich das Buch einfach haben.

Ich weiß nicht. Ich hatte auf was anderes gehofft. Anfangs hat mir das „Mexican Standoff“ auf der Insel total gefallen. Jeder verdächtigt jeden, keinem ist mehr zu trauen. Das ist ja auch das Konzept von "Eine Leiche zum Dessert" und kann sehr spannend sein. Das war es hier leider nicht.

Immer wieder switchen wir zu Interviews, die mit den Charakteren geführt wurden und die uns Aufschluss über deren Vergangenheit geben. Jeder der 12 hat ein anderes Sternzeichen und es tut sich bald der Verdacht auf, dass das kein Zufall sein kann. Obwohl die Vergangenheit jeder Figur in Interviews beleuchtet wird, waren sie mir irgendwie nie nahe. Und das machte sie für mich sehr ersetzbar. Sie verdächtigen sich alle irgendwie oder einen "Fremden", aber die Lage kommt nicht so angespannt und bedrohlich rüber, wie sie eigentlich sein sollte. 

Die Grundidee war einfach super. Ein alter Freizeitpark, der auch Tatort war und viele Menschen die auf der Insel festsitzen. Dann gib's einen Toten und die Verdächtigungen beginnen. Leider wird das eher so lapidar umgesetzt, es könnte viel mehr Spannung aufgebaut werden und Panik verbreitet werden. Das kommt aber nicht so rüber. Jeder Charakter dümpelt so vor sich hin, hält sich oft auch fernab von allen anderen auf. Dabei würde man sich doch gegenseitig im Auge behalten in so einer Situation oder?



Auch finde ich wird mit dem Thema Tod der Mord zu lapidar umgegangen. Man hat einfach das Gefühl, als wäre es zwar schrecklich und spannend und gruselig, weil man nicht weiß, wer der Mörder ist, aber so wirklich tangiert hat der Tod die Figuren nicht. Schade, denn so kommt die aufkommende Verzweiflung nicht ganz so rüber. Sie müssten vor Panik doch die Wand hochgehen, sich verstecken, oder zusammenschließen... irgendwas!



Ein großes Problem bei mir war, dass ich dem Autor die Story einfach nicht abgenommen habe. Der Schluss wirkt zu gekünstelt und erzwungen, es war für mich etwas vorhersehbar und befriedigt den Leser auch nicht wirklich. Am Ende werden Dinge aufgerollt, die meines Erachtens sehr weit hergeholt sind. Und das zerstört leider viel und macht die Geschichte für mich zumindest, unglaubwürdig.




=[ Fazit ]=

Potenzial verschenkt, finde ich. Ein solider Roman, der sicherlich seine Anhänger finden wird. Mich persönlich hat er leider nicht mitgerissen, wie anfangs erwartet





=[ Wertung: ♥♥♥ 3,5 von 5 ]=

Dienstag, 7. Februar 2017

Rezension - Those Girls von Chevy Stevens

Those Girls
                                              von Chevy Stevens

=[ Harte Fakten ]=
  • Fischer Taschenbuch 2016 - 9,99 €
  • 464 Seiten
  • ISBN: 978-3-5960-3-4703



=[ Worum geht’s denn eigentlich? ]=





Die drei Schwestern Dani, Courtney und Jess können ihrem alkohlabhängigen und gewalttätigen Vater endlich entkommen. Mit ihrem Truck fahren sie der Freiheit entgegen. Doch dann gibt es eine Autopanne und sie ahnen nicht, dass sie geradewegs in den nächsten Alptraum stolpern. 

Sie treffen auf zwei junge Männer, die ihnen Hilfe anbieten und ahnen nicht, dass diese zwei Männer ihr Leben zerstören werden.

Das ist eine dürftige Inhaltsangabe. Aber ich mag wirklich nicht zu viel verraten. Ich habe bewusst nicht einmal den Klappentext gelesen, weil ich der Autorin vertraue und bin so direkt ins Geschehen gestolpert – und habe es nicht bereut.





=[ Meine Meinung ]=

Bis jetzt habe ich ja alle Bücher von Chevy Stevens verschlungen. Sie schreibt so unglaublich fesselnd und mitreißend, dass man wirklich nicht mehr aufhören kann zu lesen... Mein erstes Buch von ihr „Still Missing“, habe ich sogar am Stück lesen „müssen“... es war einfach so furchtbar turbulent und spannend. So hat mich auch „Those Girls“ wieder in den Bann gezogen.
Die 3 Mädels sind alle klasse und man sympathisiert sofort mit ihnen. Die vernünftige Dani, die immer weiß was zu tun ist, die hübsche und coole Courtney, die jeden um den Finger wickelt und Nesthäkchen Jess, nie ohne ihre Kamera unterwegs. Man findet sich schnell in einem der Mädchen wieder. Faszinierend ist, sie halten zusammen – egal was passiert. Und es passiert hier eine ganze Menge. Das Schicksal der drei geht einem schon sehr nahe. Die Mädels bleiben sich treu in der Geschichte, die teilweise aus Jess' Perspektive erzählt wird. Vor allem die Angst und der Schmerz kommt sehr gut rüber.
Ab und zu wird die Perspektive gewechselt und die Ich-Erzählweise macht alles viel intensiver. Chevy Stevens hat wirklich Talent, die Nerven des Lesers bis aufs Äußerste zu spannen, und das bis zum Schluss des Buches. Immer wenn man denkt, man kann aufatmen, geht es gleich weiter.





Man wird auch teilweise richtig wütend auf die Personen und fragt sich, ob man selbst vielleicht anders gehandelt hätte. Hätte ich mich mehr gewehrt? Hätte ich vielleicht aufgegeben? Wäre ich sofort zur Polizei oder in ein Krankenhaus gegangen?





Das Ende, das leider viele Thrillerautoren oft „verhunzen“, war auch gut. Zumindest befriedigend. Und damit meine ich, man hat nicht das Gefühl, seine Zeit vergeudet zu haben, sondern wird mit einem zufriedenstellenden Gefühl entlassen, also kein Cliffhanger oder so.
Stevens Bücher sind alle in sich abgeschlossen, es ist also ein Ende ohne Andeutungen und Spekulationen.
Am Ende schlägt man also das Buch zu und atmet tief durch.
Und dann weiß man nicht wohin mit sich und seinem Leben.
Und das sind die Bücher, die ich lesen will!
Für Thriller Fans, die Spannung lieben und sich fesseln lassen wollen gehören sind die Bücher von Chevy Stevens Pflicht.




=[ Wertung: ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ 5 von 5 ]=

Mittwoch, 25. Januar 2017

Rezension - Black Memory von Janet Clark

BLACK MEMORY
                                       von Janet Clark



=[ Harte Fakten ]=

  • Heyne Verlag 2016 – 12,99 €
  • 978-3-453-41833-2
  • 382 Seiten

=[ Worum geht’s denn eigentlich? ]=

Clare wird von der Polizei an Land gefischt. Sie kann sich weder an ihren Namen erinnern, noch daran, wie sie an die Küste Indonesiens kommt. Wie sich wenig später herausstellt, wird sie der Kindesentführung beschuldigt. Ihr Ehemann, an den sie auch keine Erinnerung hat, taucht auf und sie erfährt, dass sie womöglich ihre eigene Tochter Bonnie entführt hat, die eine einzigartige Begabung zu haben scheint. Niemand kann ihr wirklich helfen sich zu erinnern. Ein Trauma hat ihre Erinnerung tief in ihr Innerstes verbannt. Doch wem kann sie trauen? Ihrem Ehemann Paul? Ihrer Freundin Angela? Oder dem Portier Raphael?

=[ Meine Meinung ]=

Das Buch hat mich wirklich gefesselt. Clare, die ihr Gedächtnis verloren hat und sich absolut unsicher ist, wem sie vertrauen soll und wem nicht... das Gefühl der Unsicherheit schleicht sich sofort beim Leser ein und auch als immer mehr Geheimnisse aufgedeckt werden und man merkt, dass jeder etwas Dreck am Stecken hat, nimmt diese Unsicherheit weiter zu. Zweifel werden gesät und gedeihen. Man kann sich furchtbar echt in die Lage von Clare hineinversetzen. Es ist kaum vorstellbar, wie schlimm es sein muss, in sein "sicheres" Zuhause zurück zu kehren, das sich aber gar nicht danach anfühlt. Oder mit einem Blick in den Schrank feststellen zu müssen, welche Farben und Kleidung man mag. Unvorstellbar, was ein Trauma alles auslösen kann.

Die Geschichte ist gut durchdacht und man lässt sich als Leser sehr gut manipulieren. Die Charaktere agieren weitestgehend logisch. Ein paar Mal fand ich, hätte Clare ruhig aufbrausender sein können. Schließlich geht es um ihre Tochter. Bonnies Begabung ist hochinteressant und ich kann mir sehr gut vorstellen, was mit Kindern, die eben solche Inselbegabungen haben, passiert. Im Großen und Ganzen fand ich die Geschichte glaubhaft.

Es fällt natürlich sofort auf, dass das Buch in der Ich-Perspektive geschrieben ist. Meiner Meinung nach die perfekte Wahl dafür. So werden Clares Gefühle und ihre Ängste sehr deutlich und man ist sofort drin, im Geschehen. In der Lesernde auf Lovelybooks habe ich erfahren, dass die Autorin das Buch zuerst anders geschrieben, und nachträglich in die ich-Perspektive geändert hat. Sehr gute Wahl.

Fehler konnte ich nicht entdecken. Auch konnte ich wirklich nichts finden, was mir nicht gefallen hat. Black Memory ist ein absolut empfehlenswerter Thriller, den ich so gleich meiner besten Freundin empfehlen werde. Ich hoffe sehr, dass Janet Clark noch ein paar solcher Thriller auf Lager hat. Da wäre ich auf jeden Fall wieder dabei! 



=[ Wertung: ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ 5 von 5 ]=

Montag, 14. November 2016

Rezension - Schattentäter von Jannes C. Cramer

SCHATTENTÄTER 
                                           von Jannes C. Cramer





=[ Harte Fakten ]=

  • Romanfieber 2016 – 9,99 € - Taschenbuch
  • 285 Seiten
  • ISBN: 978-3-9818175-0-8

=[ Worum geht’s denn eigentlich? ]=

Seit dem Tod seiner Frau und Tochter, zieht sich Felix immer mehr zurück. Alles war ihm geblieben ist, ist seine beste Freundin Melanie. Doch auch von ihr kapselt er sich immer mehr ab. Er neigt zum Alkoholkonsum und hat seinen Job längst verloren, als ein Folgenschwerer Unfall passiert. Felix müsste eigentlich tot sein, doch wie durch ein Wunder überlebt er. Er findet bald heraus, dass dies kein Zufall war und dass viel mehr dahinter steckt, als es anfangs den Anschein hat.




=[ Meine Meinung ]=

Dieses Exemplar kam im Zuge einer Leserunde zu mir. Nachdem ich die Beschreibung gelesen hatte, wollte ich unbedingt daran teilnehmen.

Von dem Verlag habe ich noch nie etwas gehört, aber das Taschenbuchexemplar macht einen sehr positiven Eindruck! Das Papier ist etwas dicker und fasst sich super an. Aber das ist nur meine Booknerd-Meinung. Zurück zum Buch!

Das Thema ist spannend. Man springt immer wieder in die Vergangenheit und zurück in die Gegenwart. Die Wahl der Szenen ist sehr gut.

Bei solch einer Handlung ist es immer schwierig, die Figuren glaubwürdig agieren zu lassen. Wie würde man selbst in der Situation reagieren? Aber alle Charaktere reagieren meiner Meinung nach angemessen und es macht wirklich Spaß, die Geschichte zu verfolgen.

Das Einzige, was mir nicht gefallen hat, ist natürlich das Ende. Es ist befriedigend aber ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht. (Es sei denn, es gibt eine Fortsetzung, dann ist es angebracht) Macht aber nichts, das Buch ist trotzdem gut und ich bin froh, dass ich es lesen durfte.

Was übrigens auch positiv auffällt ist der Autor! Das kleine Nachwort am Ende ist wirklich nett und auch so macht es den Eindruck, als sei Jannes C. Cramer wirklich viel an der Meinung seiner Leser gelegen. Ich werde mir seine anderen Werke auf jeden Fall auch anschauen!



=[ Wertung: ♥ ♥ ♥ ♥ 4 von 5 ]=