Dienstag, 8. Januar 2019

Bericht: FBM - Frankfurter Buchmesse 2018

Meine 15te Buchmesse! Yeehaw!

(Ja leider keine Fotos. Mein Handy ist kaputt gegangen und mit ihm alle Fotos des letzten Jahres...)

Und ich stelle fest: Ich weiß nicht, ob sich die Frankfurter Buchmesse sich für mich noch lohnt - als Blogger.

Dieses Jahr war ich zum ersten Mal an den Fachbesuchertagen vor Ort und es war voller ans Gedacht. Zusammen mit meiner Blog-Kollegin Nanni von Nannis Welt, haben wir das Gelände unsicher gemacht. Parken und Shuttle war wie immer super organisiert und lief einwandfrei.

Was mich richtig enttäuscht hat war die Reaktion der Verlage. Ich weiß, wir als Blogger sind die Unterschicht der Leserschaft, wie können wir uns auch erdreisten, nach kostenlosen Rezensionsexemplaren zu fragen, wollen wir die Verlage doch nur ausnehmen.

Die Antworten auf unsere Vorstellung und/oder Nachfragen waren leider sehr negativ. Lieber ne Mail schreiben, auf die dann nie geantwortet wird. Ich habe das Ganze schonmal in einem Facebookpost thematisiert und die unterschiedlichsten Antworten bekommen. Ja - die Fachbesuchertage sind nicht für Blogger. Ja - Verlage haben viele Termine auf einer Buchmesse, wobei ich mich auch frage, ob es in Geschäftsräumen nicht sinnvoller wäre, wenn es ja soo viele Termine sind. Dennoch bin ich sehr enttäuscht.

Ich blogge nicht für Großverlage, bin auf keiner VIP Party eingeladen. Denn ich finde, wenn ich für einen mega großen Verlag blogge und für alles Werbung mache, was ich in die Hände gedrückt bekomme, kann ich keine objektive Rezension mehr schreiben... Naja anderes Thema.

Die Blogger, die wir trafen, waren alle nett und lieb und auch mit Autoren haben wir uns hervorragend unterhalten. Trotzdem war es rückblickend betrachtet den ganzen Aufwand aus Bloggersicht nicht wert. Bekommen haben wir nichts, weder Exemplare, noch Antworten, noch etwas, worüber wir berichten können.

Was sich allerdings wirklich gelohnt hat für uns war die "BuCon" in Dreieich, die an jedem Buchmessen Samstag stattfindet. Dort hatte ich mehr Spaß als an allen FBM Tagen zusammen und werde definitiv nächstes Jahr wieder hinfahren.

Ich bin sogar am Überlegen, ob ich Samstag nur noch auf die BuCon fahre und eventuell Freitags anreise, und dort der FBM noch einen Besuch abstatte. Aber leider bin ich sicher, dass sich am Kooperationswillen der Verlage nichts ändern wird. Noch dazu darf nur Sonntag verkauft werden, wenn nicht die Autoren am Stand sind, oder Signierstunden sind. Die Signierstunde von Fitzek war dermaßen schlecht organisiert, dass die Schlage durch Durchgänge ging und sich Leute dazwischen anstellen wollten, was dann wütende Fans auf den Plan gerufen hat. Ich frage mich, wofür man dann im Innenhof extra einen Bereich für Signierstunden eingerichtet hat, und den Autor dann die überfüllte Halle stellt. Wer hätte auch ahnen können, dass bei Sebastian Fitzek so viel los ist??

Als Autorin ist die FBM übrigens völlig uninteressant, bei diesen Preisen.

Insgesamt war es eher ernüchternd. Das ist sehr schade.

Rezi: Alles zum Schein

Alles zum Schein von Vincent Voss



=[ Worum geht's ? ]=


Als Hagen an der Akademie ankommt, stellt er schnell fest, dass nichts so ist, wie er es sich vorgestellt hat. Nicht nur die Anfeindungen von Schülern und Lehrern muss er über sich ergehen lassen, offensichtlich geht an der Akademie auch etwas nicht mit rechten Dingen zu. Menschen verschwinden und sterben und Hagen weiß nicht mehr, wem er noch trauen kann.

=[ Meine Meinung ]=

Seufz. Ja was soll ich sagen. Irgendwie war die Idee, der Ansatz da. Das Setting ist okay und gefällt mir besser, als in dem Splittermond-Roman Phönix und Asche. Aber dieser war im Gegensatz zu diesem hier sehr viel feiner und durchdachter. „Alles zum Schein“ erweckt ein bisschen so den Eindruck, als sei ein Setting vorgegeben gewesen und sehr wenig Zeit, um einen Roman daraus zu machen.
Die Charaktere sind oberflächlich, durchlaufen nicht wirklich eine gute oder nachvollziehbare Entwicklung und agieren teilweise sehr... seltsam.
Darunter leidet dann natürlich die Geschichte, die nur häppchenweise für den Leser aufgedeckt wird. Und dabei wird der Leser lange im dunklen gelassen, einfach irgendwie etwas zu lange.
Als Belohnung für die teilweise Konfusion bekommt man als Leser dann aber auch nicht wirklich Antworten.
Anfangs wirkt der Roman irgendwie sehr gehetzt, in der Mitte stehen Fragezeichen und am Ende weiß man auch nicht.
Und das ist sehr schade, denn ich bin sicher, die Geschichte hat viel Arbeit verschlungen. Vielleicht wäre etwas mehr Zeit oder Entschleunigung gut gewesen. Fantasy und Krimi ist wirklich schwierig.

Ich habe bereits einen ähnlichen Roman gelesen, nur dass dort die Toten und Vermissten auf einer Burg waren, aber da war es auch sehr schwierig alles unter einen Hut zu bringen. Man musse in Fantasysetting kreieren und gleichzeitig muss der Prota meist ermitteln und sich den Kopf zerbrechen, denn Handy usw gibt es ja nicht.

Schweres Metier, hier leider nicht so gelungen.

Donnerstag, 3. Januar 2019

Rezi - Verloren in Eis und Schnee

Verloren in Eis und Schnee
Die unglaubliche Geschichte der Geschwister Danilow

Davide Morosinotto 




=[ Worum geht es ]=

Ihr dürft euch nicht verlieren!, hat die Mutter den Zwillingen Viktor und Nadja eingeschärft. Doch im überfüllten Bahnhof von Leningrad werden sie auseinandergerissen. Viktor findet sich im entlegenen Sibirien wieder. Obwohl er keinerlei Nachricht von seiner Schwester hat, spürt Viktor, dass sie noch lebt.

Er schließt sich einer Gruppe Jugendlicher an, mit denen er sich auf den gefährlichen Weg quer durch das verschneite Russland begibt. Währendessen hält Nadja sich in einer Festung auf einer Insel versteckt, auf der sich die Lage zuspitzt. Sie hat ihr Tagebuch dabei, in dem sie, ebenso wie ihr weit entfernter Bruder, ihre dramatischen Erlebnisse festhält.

Der beeindruckende Roman spielt in der Zeit der Belagerung Leningrads durch die Deutschen im zweiten Weltkrieg. Mitreißend erzählt aus der Perspektive der beiden Geschwister und eines russischen Oberst. (Amazon)


=[ Meine Meinung ]=

Wie oben schon beschrieben wird die Geschichte aus drei Perspektiven erzählt. Das hatte ich bei einem Hörbuch noch nie, doch in diesem Fall ist es genau die richtige Erzählweise. Während der Leser weiß, wie es den Personen geht, wissen sie es nicht voneinander und ehe man sich versieht, spricht man selbst auf die Sprecher ein. Viktor und Nadjas Schicksal ist sehr mitreißend, bewegend und auf jeden Fall hörenswert. 

Der Autor verknüpft Fakten mit Fiktion und hinterlässt hierbei einen sehr bitteren Beigeschmack. Denn so oder so gibt es in einem Krieg kein Happy End.

Ein wirklich besonderes (Hör-)buch, das die Grausamkeit des Krieges verdeutlicht. Aber auch die Hoffnung, Liebe und Freundschaft.


Rezi - Diener der alten Macht

Diener der Alten Macht
(Das Erbe der Weitseher Band 1)

von Robin Hobb



=[ Worum geht's ]=

Ein alter Freund, eine neue Bedrohung – der Königsbastard ist zurück!

Fünfzehn Jahre sind seit dem schrecklichen Krieg der sechs Provinzen mit den Roten Korsaren vergangen, seitdem herrscht ein unsicherer Friede. Da verschwindet Prinz Pflichtgetreu kurz vor seiner Hochzeit mit einer Prinzessin der Roten Korsaren. Will er der Vermählung ausweichen, wie einige behaupten? Oder ist ihm etwas zugestoßen? Es gibt nur einen, der sich auf die gefahrvolle Suche nach ihm machen kann: Fitz der Bastard mit seinem Wolf Nachtauge. Doch der hat sich geschworen, nie wieder in die Intrigen des Königshofs verstrickt zu werden … (Amazon)


=[ Meinung ]=

Das Buch ist ein klassischer Wälzer (wie ich es liebe). Eins vorweg: Es ist nur dann zu empfehlen, wenn ihr die Vorgängerreihe gelesen habt. Band 1 wäre "Die Gabe der Könige".

Ich habe wirklich extrem lange für dieses Buch gebraucht. Das lag zum einen an meinem Privatleben und zum anderen an der sehr anspruchsvollen Sprache. 
Es ist ein ganz klarer Unterschied zu "Die Gabe der Könige" zu erkennen und ich musste einfach den ein oder anderen Satz zweimal lesen.
Den Lesefluss hat das nicht wirklich gestört, ich mag das ja bei Fantasyromanen. Aber ich habe deshalb einfach etwas länger gebraucht. 

Was gibt es groß zu diesem Meisterwerk zu sagen? Fitz und die Welt um ihn herum sind grandios. Fesselnd, spannend, berührend und nachhallend. Ein Fantasyepos, das sich seit Jahrzehnten bewährt und das es absolut verdient hat, gelesen und gehyped zu werden.


Mittwoch, 5. Dezember 2018

Rezi: Der fünfte Magier

Der fünfte Magier

von Christine Weber




=[ Klappentext ]=

„Als Licht kam ich in diese Welt, als Schatten bemächtige ich mich ihrer ...“ Seit der Krieg zwischen den vier Magiern und ihren Drachen die Welt entzweit hat, führt der junge Nomade Sorak fernab jeglicher Machtkämpfe ein friedliches Leben. Als eines Nachts das Unglück über sein Dorf hereinbricht, findet er sich an einem Ort wieder, der nur Schwarz und Weiß zu kennen scheint. Inmitten von Schuldgefühlen und aufgezwungener Verantwortung versucht Sorak, das Lügennetz zu entwirren, das zwischen Freund und Feind bald nicht mehr unterscheiden lässt. Doch die Wurzel allen Übels reicht noch viel tiefer, als selbst die Magier hätten erahnen können … Eine Geschichte über Mut und Angst, Vertrauen und Verrat, Hoffnung und Verzweiflung und die Fähigkeit, die Dunkelheit im Licht zu sehen.

=[ Meine  Meinung ]=


Was lange währt, wird endlich gut - sozusagen.

Hier habe ich zugegebenermaßen etwas länger gebraucht. Das liegt daran, dass es ein Ebook ist und ich festgestellt habe, dass ich zukünftig von Ebooks Abstand nehmen muss. Aber nun zu meiner Meinung:

"Der fünfte Magier" hat mir sehr gut gefallen, dabei bin ich bei Magie und Drachen immer sehr skeptisch. Das liegt vor allem daran, dass Drachen ein schwieriges Thema sind. Schafft es der Autor, den Drachen ins Buch einzubinden, oder ist er immer eine Art "Fremdkörper"? Hier ist alles gelungen und herausgekommen ist ein spannender Fantasyroman mit einem ganz tollen Smaragd - äh Drachen!

Sorak ist ein sehr zwiegespaltener Charakter, den ich auf der einen Seite durchaus sehr gut verstehen kann. Auf der anderen Seite fand ich ihn aber etwas nervig. Vor allem die Dialoge mit Smaragd waren irgendwann einfach zu viel.

Ein paar Logikfehler ziehen sich durch die Geschichte, es handelt sich hier aber um Kleinigkeiten, die mir nur aufgefallen sind, weil ich selbst gerade dabei bin, die in meinem Roman auszumerzen.

Etwas schwächelt das Buch auch bei dem Antagonisten. Hier war mir manchmal nicht ganz klar, was er denn will. Das bedient natürlich das Klischee vom Bösewicht, der den Helden nur am Leben lässt, damit die Handlung noch etwas fortschreitet.

Alles in allem hat mir das Buch aber gefallen und ich kann es weiterempfehlen. Wenn ihr Ebooks nicht so gerne habt, würde ich euch hier raten, das Taschenbuch zu kaufen. Es ist einfach ein Buch, das man gerne im Regal hat.

Ich freue mich schon auf die Fortsetzung und hoffe, dass Sorak dann etwas mehr aus sich rauskommt.

Was zum Schluss noch zu erwähnen ist: Das Cover ist doch der Hammer! Ich liebe es!


Samstag, 24. November 2018

Über Schwangerschaft, Geburt und anderes



Die Sache mit der Schwangerschaft - Freust du dich denn nicht?

Ein Beitrag, den ich einfach schreiben muss. Weil ich in den sozialen Netzwerken immer wieder davon lese und auch immer wieder privat davon höre.

Viele Mütter empfinden es eine Schande, einen Kaiserschnitt (geplant oder vom Arzt veranlasst) bekommen zu haben und fühlen sich nicht richtig als Mutter.

Ich würde aber gerne noch einen Schritt vorher anfangen und zwar

Die Romantisierung der Schwangerschaft.

Wie oft ich den Satz „Schwangerschaft ist keine Krankheit“ gehört habe, will mir nicht in den Kopf. Er stimmt zwar, aber er stimmt auch nicht. Den eine Schwangerschaft bringt durchaus Krankheitssymptome mit sich. Von Frieren/Schüttelfrost, über Kotzen kotzen kotzen bis hin zu Fieber, Krämpfen und Bewusstlosigkeit wegen Unterzucker.

Alles durfte ich selbst am eigenen Leib erleben und mutig sage ich jetzt einfach mal:

Die Schwangerschaft war die schlimmste Zeit meines Lebens.

Ob geplant oder nicht, irgendwann hält man den Test in den Händen und freut sich – oder eben nicht. Das ist jedem selbst überlassen. Für diejenigen, die sich freuen, beginnen harte Wochen.

Zuerst muss man 12 Wochen Angst ausstehen, denn es könnte ja etwas „schief“ laufen. Um das Kind beim Namen zu nennen – es könnte ein Abgang sein.
Die Gesellschaft sagt, besser keinem davon erzählen, dann ist keiner enttäuscht.

Denkt die Gesellschaft denn aber auch an die Mutter? Die freut sich nämlich und trägt ein paar Wochen etwas mit sich herum – die Hoffnung auf ein Kind. Ein Abgang kann traumatisierend sein für die Mutter. Aber bloß keinem erzählen, dass man am Ende dann völlig allein dasteht!

Für mich gab es auch ein kleines Trauma an dieser Stelle. Das Kind war so klein, und zwar lange so klein, dass ich wochenlang keinen Mutterpass bekam. Aber darauf wartet man. Man wird durch die Blume vertröstet mit „Naja, wir müssen erstmal gucken, ob ihr Kind stirbt.“

Ich habe es sofort allen erzählt, die mir nahe standen. Denn ich wusste, falls das Schlimmste passiert, sind sie da.

Die Mamas, die lange gewartet haben oder viel planen mussten, wissen, wie schwer es eigentlich ist, schwanger zu werden. Nach Absetzen der Verhütungsmittel geht es meistens nämlich auch nicht schnell. „Ein drittel aller Frauen muss mehr als ein Jahr warten, bis sich eine Schwangerschaft einstellt.“ (familienplanung.de) Sollte es dann soweit sein, liegt glaube ich die Wahrscheinlichkeit bei 30%, dass es eine Fehlgeburt in den ersten 12 Wochen ist.

Wenn man die Zeit dann überstanden hat und einen Chef informiert hat, der sich „freuen muss“, aber sich wirtschaftlich gar nicht freuen kann, weil er muss ja jetzt eine Kraft bezahlen, die weniger leistet, bekommt man prompt die Belohnung: Es geht erstmal steil bergab.

Von Fieber/Schüttelfrost bis hin zu Brechattaken, die auch mal den ganzen Tag dauern, Migräne, alles ist möglich!

Ich habe 22 Wochen gebrochen. Und nur abgenommen. Aber meine Ärztin war der Meinung muss zur Arbeit, egal wie schlecht es mir geht, denn wenn sie mich länger krankschreibt, würde ich nur Krankengeld bekommen und das würde sich negativ auf das Elterngeld auswirken (das vom Verdienst 12 Monate vor Geburt errechnet wird). Wie es mir dabei ging, war ihr eigentlich egal.

Ein weiteres Trauma war das Geschlecht. Voller Freude sah ich der 15. Woche entgegen. Da sollte ich das Geschlecht erfahren. Mein Mann war leider auf Fortbildung, aber ich wollte alles abfotografieren und ihn sofort anrufen. Das tat ich auch – unter Tränen. Denn meine sensible Ärztin hatte nicht einmal einen Ultraschall gemacht. Eine Wunschleistung, die hätte ich vorher für (4-mal Ultraschall = 120 Euro) dazubuchen müssen. Außerdem würde man ja eh noch nichts sehen, ich soll in 4 Wochen nochmal kommen.

Ich war am Boden zerstört, denn ich hatte mich SO SEHR gefreut, meine kleine Maus zu sehen...

Schleppt man sich dann wochenlang unter den argwöhnischen Augen seiner Kollegen krank auf die Arbeit und leistet da, wenn überhaupt, nur ein Drittel, kommt richtig Stimmung in der Firma auf!! Wie es einem persönlich dabei geht, brauche ich wohl keinem zu erklären. Aber auch diesen Spießrutenlauf lässt man über sich ergehen.

Und dann kommen sie – die Fragen: Freust du dich denn schon?

Eine Frau sagte zu mir, da war ich im siebten Monat: „Ach sie sind schwanger. Ich dachte, das wäre ein Fressbauch.“ Tatsächlich hatte ich so wenig zugenommen, dass der Bauch fast nicht sichtbar war. Das änderte sich erst 1-2 Wochen vor Entbindung.
Viel schlimmer waren die Fragen der Omas, Nachbarn: Freust du dich?

Die Wahrheit wäre „Nein, denn ich kotze ununterbrochen, kann nachts nicht schlafen, tagsüber nicht aufs Klo und habe Sodbrennen, dass ich demnächst als Feuerspucker im Zirkus anfange. Außerdem falle ich alle zwei Nächte so krass in den Unterzucker, dass das Telefon immer in meiner Hand liegt, um einen Notarzt zu rufen“.

Man sagt: „Ja!“

Warum? Es wird erwartet, dass sich die Mutter bedingungslos auf das Kind freut. Auch wenn sie kübelnd über dem Tankstellenklo hängt und die Besitzerin an die Tür hämmert und fragt, ob sie einen Arzt rufen soll. (Ziemlich viel Arzt, für das, dass man ja gar nicht krank ist ne?) Man muss sich freuen und wie es uns die Medien suggerieren, am besten gestern das perfekt eingerichtete Babyzimmer streichen oder Berge an Klamotten anhäufen.

Ich habe mir mit dem Babyzimmer viel Zeit gelassen. Und mit dem Kauf der Erstausstattung auch. Um ehrlich zu sein, ging ich in einen Laden, in dem es eine Liste für so Chaoskandidaten für mich gibt. Die habe ich genommen und alles davon in den Einkaufswagen geschmissen. Das wochenlange mit Kugel durch die Babyläden flanieren und überlegen, welche Spieluhr nun die beste ist, blieb bei mir aus.

Denn ich freute mich nicht. Und ehe ich mich versah, stand ich einer waschechten Depression gegenüber, oder die meine Ärztin sagte, einer Stimmungsschwankung.
Ich konnte mich gerade noch davon abhalten, gegen den nächsten Baum zu fahren und habe monatelang den ganzen Tag geweint. Es ging mir so schlecht, auch körperlich, dass ich knapp an einer stationären Einweisung entgangen bin. Da fasste ich den Entschluss: Ich muss den Arzt wechseln.
Es gab also mehrere Gründe, warum ich mich nicht freuen konnte: Man hatte mir einfach alles kaputt gemacht, auf das ich mich in der schweren Zeit gefreut hatte. Und: Anstatt mit Verständnis reagierten alle mit Abwehr.

Kurz nach meinem Arztwechsel kam dann die Diagnose: Schwangerschaftsdiabetes. Inzwischen hatte ich so viele Ess-Neurosen entwickelt, dass ich außer Gurke eigentlich gar nichts mehr essen konnte. Plötzlich musste ich nach Plan 5 mal am Tag essen. Und mir 7 mal Nadeln in den Bauch stechen. Halt, 2 mal in den Oberschenkel und 5 mal in den Bauch. Zum Glück ist Diabetes keine Krankheit. Der Diabetologe, hat mir sofort ein Beschäftigungsverbot erteilt, worüber ich sehr dankbar war, in meinem täglichen Kampf gegen Über- und Unterzucker. Schwangerschaftsdiabetes verläuft nicht wie normaler Diabetes. Durch die Hormone kann alles passieren. Nach einem Kitkat kann man einen Blutzucker von 78 haben oder halt von 450. Es war eine schreckliche Zeit und mein Bauch war nicht nur fast nicht zu sehen, sondern auch von blauen Flecken (wegen der Spritzen) übersät. Da kam Freude auf.

Eine andere Begleiterscheinung waren bei mir immer wiederkehrende Abszesse. Zwei mussten sogar aufgeschnitten werden. Ich kann euch eigentlich nicht einen Tag in den 9 Monaten nennen, an dem ich mich wohlgefühlt hätte.

Die Sache mit dem Kaiserschnitt - Wenn du dein Kind nicht unter größten Schmerzen auf die Welt bringst, bist du keine Mama.

Wenn du das glaubst, bist du ein Idiot.
Es ist völlig unerheblich, wie das Kind das Licht der Welt erblickt, hauptsache es ist alles dran und es ist gesund. Auch Mamas, die Sternenkinder zur Welt bringen... sind Mamas!

Zum Glück für viele, auch für mich, gibt es die Möglichkeit, das Kind durch einen Kaiserschnitt zur Welt zu bringen. Und damit haben viele Mamas unberechtigterweise Probleme. Es haben aber auch Menschen damit Probleme, die gar nichts mit der Sache zu tun haben. In einem bekannten Modeladen habe ich erst zwei Frauen belauscht, die sich über Mütter mit geplantem Kaiserschnitt ausgelassen haben. So lange bis ich laut gesagt habe „Ich hatte ja auch einen geplanten Kaiserschnitt.“ Dann war Ruhe im Karton.

Bei einer „natürlichen Geburt“ wird das Baby unter den größten Schmerzen die ein Mensch haben kann, durch eine viel zu kleine Öffnung gepresst.Wenn es Komplikationen dabei gibt, z.B. das Baby falsch liegt, kann das ganz schnell lebensgefährlich werden. Man hat also mittlerweile die Möglichkeit, einen Kaiserschnitt zu planen, wenn die Ärzte dem zustimmen. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Bei mir war der ausschlaggebende Punkt Diabetes und die ohnehin schon nicht komplikationslose Schwangerschaft. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Geburt „normal“ ablaufen würde, war sehr gering. Deshalb habe ich mich ohne zu zögern für den Kaiserschnitt entschieden – völlig logisch. Warum sollte ich das Leben meines Kindes gefährden, nur um mit einer „natürlichen Geburt“ prahlen zu können?

Bereut habe ich es nie. Es war eigentlich letztenendes ein wunderschönes Erlebnis umd im Gegensatz zu vielen anderen, behalte ich die Geburt als schnönes Erlebnis in Erinnerung.

Mehr dazu später.

Vor einem Notkaiserschnitt haben viele Angst. Ist zugegebenermaßen auch scheisse. Denn man hat beides: Schmerzen wie Sau durch die Wehen und das ganze Drumherum des Kaiserschnitts. Das geht dann meist alles schnell und ist überrumpelnd. Aber ihr seit deshalb nicht weniger Mutter, nur weil ihr dem Kind den sicheren Todeskampf erspart habt. Es wird sich genauso entwickeln, wie jedes andere Kind auch und euch deshalb auch nicht weniger lieb haben – im Gegenteil.

Trotzdem ist ein Kaiserschnitt für viele traumatisierend. Ich selbst kann leider nicht verstehen warum, und bin sehr auf eure Meinungen und Ängste gespannt. Eine „natürlich Geburt“ kann mitunter genauso traumatisierend sein, auch für den Partner im Übrigen.

Letztlich bleibt es jedem selbst überlassen, aber es besteht keine Notwendigkeit, sich selbst zu verurteilen, weil man lieber einen Kaiserschnitt hat – aus welchen Gründen auch immer. Der ist nämlich auch schmerzhaft, zwar nicht so stark dafür länger, und hinterlässt sogar noch mehr Narben als die „natürliche Geburt“. Es ist keinesfalls der „bequeme Weg“, wie es immer von allen dargestellt wird. Wer sich dafür interessiert, wie so etwas abläuft, der lese einfach unten meinen kleinen Geburtsbericht.

Ich kann also mit Stolz sagen: Ich bin eine Kaiserschnitt Mama und habe meinem Kind und mir dabei eine Menge erspart.

Die Sache mit dem Stillen - Willst du nicht das Beste für dein Kind?

Wenn man nicht stillt, gilt man im Allgemeinen als Rabenmutter. Es gibt eigentlich zwei Gründe, warum man nicht sitllt: 1. Man kann nicht. 2. Man möchte nicht.
Beide sind vollkommen legitim. Nur weil man nicht stillen kann oder will, ist man keine schlechte Mutter. Denn was bringt es dem Baby, wenn die Mutter weinend vor Unglück das Kind stillt, weil es die Gesellschaft von ihr verlangt, und es aber eigentlich lieber aus dem Fenster werfen möchte? Das Kind hat nichts davon, wenn es der Mutter so schlecht geht, dass sie mit dem Gedanken spielt, es auszusetzen...

Wer gibt euch denn eine Prämie, weil ihr euch psychisch geiselt, nur um einem Ideal der Gesellschaft zu entsprechen?

Die andere Seite ist übrigens auch witzig: Macht man laut Gesellschaft alles richtig und stillt sein Baby, ist aber auch nicht recht. Denn man ist ja dann doch oft in der Öffentlichkeit und viele reagieren mit Abscheu, wenn man dann einfach die Brust auspackt. Das wollen die Leute dann nämlich auch nicht.

Ihr seht, recht machen kann man's eh nicht. Man muss nur den Weg finden, mit dem man selbst leben kann. Ich selbst bin übrigens ein Flaschenkind, da es kurz nach meiner Geburt zu massiven Komplikationen gab und ich von Anfang an eine Spezialnahrung bekommen musste.

Es gibt natürlich Dutzend Studien darüber, ob Kinder, die nicht gestillt wurden mehr Allergien usw haben, aber oft wird einem die Entscheidung auch einfach abgenommen – nämlich wenn aus irgendeinem Grund einfach keine Milch kommt. Ihr werdet lachen, auch diese Kinder, die von Anfang an die Flasche bekommen, werden groß.

Es ist eure Entscheidung, ob ihr stillt oder nicht und außerdem geht es niemanden etwas an, warum ihr stillt oder nicht.

Fast jährlich wechseln mittlerweile die Anweisungen, was man zu machen hat oder nicht. Zum Bespiel, Schnuller: In den 80ern, und das kann ich euch schriftlich geben, haben unsere Eltern den Schnuller einfach abgeleckt, als er runtergefallen ist – und wir leben alle noch. Dann hieß es, um GOTTES WILLEN, bloß nicht ablecken! Lieber abwaschen! Vor ein paar Tagen kam dann wieder eine Reportage: Schnuller ablecken ist wichtig, wegen der Bakterien!

Zum Thema Fläschchen sterilisieren. Mit 4 Monaten habe ich den Kinderarzt gefragt, wie lange ich diesen Eiertanz noch machen soll. Denn die Handtücher, auf denen die sterilisierten Fläschchen stehen, sind ja nun auch nicht steril. Er sagte dann, er hat drei Kinder. Beim ersten hat er bis zum ersten Lebensjahr die Flaschen sterilisiert. Beim zweiten nur noch ab und zu und beim dritten gar nicht mehr. Alle drei sind erwachsen geworden.

Also Leute: Menschenverstand einschalten.

Mein Geburtsbericht 

Hannah war ein Kaiserschnittbaby - warum habe ich oben schon erzählt.
Natürlich hatte ich auch Angst vor dem Kaiserschnitt, habe aber bewusst Abstand von Google genommen, um nicht in Panik zu verfallen. In unserm Geburtsvorbereitungskurs wurde das Thema auch kurz angeschnitten. An dieser Stelle Danke an "Kugelrund".

Einen Tag vor dem geplanten Kaiserschnitt (nein, das Datum durfte ich mir nicht aussuchen), ging es zur Voruntersuchung ins Krankenhaus, CTG, Blut und Anästhesiegespräch. Da kam dann raus, das definitiv mein Tattoo durchtrennt werden muss und zwar einmal komplett...aber was macht man nicht alles für das kleine Mäuschen.

Am Tag der Geburt sind wir dann morgens um halb 8 ins Krankenhaus gefahren und ganz langsam wurden dann die Vorbereitungen getroffen, Zugang gelegt usw. 
Die Atmosphäre war eigentlich ganz gut und ich habe mich wohl gefühlt. Mein Mann war die ganze Zeit bei mir. Dann wurde ich in den OP gefahren und mein Mann musste sich OP Klamotten anziehen und hat nochmal ein Briefing bekommen...tja und dann gings richtig los. 

Ohne die Anästhesistin wäre ich vor Angst gestorben, denn ich habe ganz schön gezittert, vor Angst und vor Angst vor der Narkose. Das war nämlich eine riesige Nadel, die mir in den Rücken gestochen wurde. Zu meiner großen Überraschung musste ich dann feststellen, dass es WIRKLICH NICHT wehtat. Aber binnen Sekunden wurden meine Beine taub und ich konnte mich schon nicht mehr allein zurücklehnen. Dann ging alles relativ schnell. Sichtschutz wurde aufgebaut und unfassbar viele Menschen waren anwesend. Dann ist mir erstmal der Kreislauf abgeschmiert und man musste mir ein paar Ohrfeigen geben, bis ich wieder da war. Überwachungsgeräte wurden angeschlossen, mein Mann kam rein und nahm an der Kopfseite platz. Den Schnitt merkte ich nicht, aber dann wurde es schnell etwas unangenehm und fühlte sich an, als würde mir jemand den Bauch massieren. Schmerzen hatte ich hier noch nicht, es war einfach ein seltsames Gefühl. Dann sagte jemand "Da ist sie ja!" und in der nächsten Sekunde hörten wir schon ein Schreien. Der Arzt nahm sie mit in den Nebenraum, das dauerte ca. 30 Sekunden und dann kam sie schon zu uns, klein und wunderschön. Wir durften sie kurz in die Arme schließen und den Moment genießen. Da ich wieder zugeklammert werden musste, durfte mein Mann dann die ersten Minuten ihres Lebens mit der kleinen Maus verbringen. Alle haben mir gratuliert und als sie fertig waren, nach ein paar Minuten wurde ich dann erstmal wieder in den Kreissaal geschoben, du der kleinen Babymaus. Erste Fotos wurden gemacht und erste Nachrichten an die Omas und Opas geschickt. Wenig später gings auf Station und dann war anziehen und kuscheln angesagt. Milch kam keine, also gabs ein kleines Fläschchen. Die Kleine hatte echt Hunger und hat sehr viel getrunken. 
Zu mir: Ich hatte einen Katheter und war total aufgedunsen, denn man hatte mir sehr viele Infusionen gegeben. Nach drei Stunden stand ich dann auf und konnte schon herumlaufen. Natürlich hatte ich Schmerzen, aber es war zum Aushalten. Hauptsächlich wollte ich, dass man mir den dämlichen Katheter zieht, was man auch nach 5 Stunden gemacht hat. 
Abends habe ich sogar selbst diese orange OP Paste abgewaschen und den Verband gewechselt. Verwendet wurden bei mir Metallklammern. Was ich leider nicht gleich konnte war, die Kleine zu wickeln. Ein Kaiserschnitt geht unglaublich auf den Rücken. Aber die Schwestern haben mir sehr gerne geholfen und waren immer nett und motiviert. Auch nachts haben sie mir immer angeboten, die Kleine mit ins Schwesternzimmer zu nehmen, aber ich wollte sie immer um mich haben, auch wenn ich die ersten Nächte nicht geschlafen habe (sondern gelesen). Am dritten Tag habe ich mich selbst entlassen und am 5ten wurden ENDLICH die Klammern gezogen. Die wahren nämlich schon verheilt und haben nur noch genervt und gejuckt. 
Nachwehen hatte ich übrigens trotzdem und musste auch auf Station immer wieder mit Schmerzmittel behandelt werden. Es war aber zu ertragen.

Alles in allem war es eine schöne Geburt und ich habe im Gegensatz zur Schwangerschaft wirklich gute Erinnerungen daran. Falls ihr Fragen habt, schreibt mich gerne an. Ich gebe mein Bestes, zu Antworten. Derzeit befindet sich das Notebook aber noch im Aufbau, kann also etwas dauern.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit.

Mittwoch, 14. November 2018

Rezi: Verax

Verax - Das Experiment

von Jörg Benne




=[ Um was geht's denn? ]=

Verax ist ein sogenanntes Spielebuch. Ihr schlüpft in die Rolle eines vorgefertigten Charakters und könnt eigene Entscheidungen treffen, die den Verlauf der weiteren Geschichte beeinflussen.

Es ist ein sehr vereinfachtes Pen&Paper System, das man ohne Vorbereitung und Erfahrung einfach so spielen bzw. lesen kann. 

Neben Objekten die man sammeln kann, gibt es sogar Speicherpunkte (puh!)

=[ Meine Meinung ]=

Nach der interaktiven Lesung von Jörg auf der Bucon dieses Jahr war ich noch heißer auf das Buch, als ohnehin schon! Und deshalb hab ich es auch gleich ausprobiert. Ich bin in die Rolle des Kämpfers geschlüpft, denn mein Mann möchte irgendwann noch den Ingenieur spielen. 

Und es gibt SO viele Möglichkeiten. Ich habe immer bei Spielebüchern die Gabelungen aufgeschrieben...das habe ich bei Verax mal gelassen, um mich voll und ganz auf das Buch einzulassen und es war wirklich ein sehr viel besseres Spielerlebnis.

Das Besondere hier ist der Wiederspielwert. Ich rate aber, das Buch einen Woche oder so dann mal liegen zu lassen, bevor man neu beginnt. 

Es macht übrigens auch Spaß, es zu zweit zu spielen, also quasi dem anderen dann vorzulesen. Ich weiß, dass mein Mann und ich uns komplett anders entscheiden würden und ich bin gespannt, welche Wege er als Ingenieur einschlagen wird. 

Ich habe mich schon immer gefragt...wie man solche Bücher schreiben kann und finde es wirklich außerordentlich gut gelungen. 

Wer dem Genre Sci-fi nicht völlig abgeneigt ist und auf Survival-/horror steht, dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt!

Die Illustrationen sind Top und auch das Regelwerk ist super durchdacht und einfach, auch wenn es anfangs viele Seiten sind. Man kann es schnell verstehen. Ich kopiere mir den Charakterbogen immer raus, damit ich schneller Notizen machen kann. 

Ein richtiges Erlebnis war, die oben schon erwähnte, interaktive Lesung mit Jörg Benne. Der hat das nicht nur klasse gemacht, es war auch einfach witzig, zusammen abzustimmen und das wahre Gesicht der Menschen zu sehen haha! Es gibt zum Beispiel eine Szene, in der man eine verletzte Person zurück lassen kann. 

Ich habe mich riesig über und auf das Buch gefreut und es würde mich sehr freuen, wenn ihr einen Blick rein werft.

Danke, Mantikor-Verlag für das Rezi-Exemplar ♥ und vor allem Danke Jörg Benne, für die gute Unterhaltung.

=[ Wertung: 5 von 5 ♥♥♥♥♥ ]=